Rüdiger Nehberg
RÜDIGER NEHBERG
Konditormeister und Überlebenskünstler
NOCH EINMAL SO RICHTIG AUFS GANZE GEHEN

Begonnen hat mein Leben als Bäcker. Der Beruf hat mich gut ernährt, aber nicht wirklich befriedigt. Auch nicht, als ich in Hamburg selbständig geworden war. Ich wollte unbedingt mehr aus meinem Leben machen, als tagaus tagein meine kleinen Brötchen zu backen, zur grauen Bäckermaus zu schrumpfen oder zum eingestaubten Mehlwurm. Deshalb war ich zunächst glücklich, ein erfüllendes Hobby zu haben: das Reisen auf eigene Faust. Doch die Reisen orientierten sich stets an Straßen und Zivilisation. Bis ich in den 60er Jahren in den USA vom Thema Survival erfuhr. Survival- die Kunst zu überleben in scheinbar aussichtslosen Situationen. Plötzlich war es mir möglich, notfalls ohne jegliches Hilfsmittel, quasi splitternackt, allein in den Wildnissen dieser Erde klarzukommen. Wie ein Tier.
 Dabei traf ich mehr zufällig 1982 zum ersten Mal  auf die Yanomami in Brasilien. Sie galten als das letzte noch ursprünglich lebende Indianer-Volk Amerikas. Zwanzigtausend Menschen, in einem Land so groß wie die Schweiz. Angeblich waren sie geschützt, sagten Politiker.  Doch das stimme nicht, behaupteten brasilianische Menschenrechtler. Das machte mich neugierig. Und plötzlich kam dieses völlig gigantische Thema in mein Leben. Das hatte ich nie geplant, denn bis dahin waren meine Reisen reine Selbstbefriedigung. Mein Survivalwissen  befähigte mich, allein durch den Regenwald zu ihnen zu gelangen. Und da wurde  ich Augenzeuge eines Bürgerkrieges. Eine Armee von 65.000 bewaffneten Goldsuchern hatte sich über das Land hergemacht und zerstörte es. 400 Flugzeuge sorgten über120 illegale Landepisten für den Nachschub.
 Ich versuchte, den Indianern zu helfen. Mit Büchern, Vorträgen, spektakulären Aktione, Fernsehfilmen und Konsultationen der UNO, Weltbank und des Papstes. Die Medien als Waffe. Schließlich erreichte die immer größer werdende Lobby, dass die Yanomami seit 1997 in ihrem angestammten Land  und in akzeptablem Frieden leben können. Als die Aktionen zu Gunsten der Naomi abgeschlossen waren, dachte ich, das war deine Meisterprüfung der Menschlichkeit.
Doch dann kam ich auf dieses neue Thema: der Kampf gegen die weibliche Genitalverstümmelung. Auslöser war das Buch ?Wüstenblume?. Meine Meisterprüfung schrumpfte plötzlich zur Gesellenprüfung. Bei diesem Thema geht es um ganz andere Dimensionen. Um zum Beispiel 130 Millionen Frauen, um täglich 6000 neue Opfer. Meine Strategie: mit der Kraft des Islam den Brauch zur Sünde zu erklären. Zwar verstümmeln auch andere Religionen, auch die Christen, aber in den betroffenen Ländern (Sahel-Zone) ist der Islam dominierend. Und die meistgehörte Begründung der Muslime: ?Es steht im Koran.?  
Als ich für diese Strategie Partner bei existierenden Organisationen suchte, fand ich sie nicht. Kurz entschlossen gründete ich daher meine eigene Menschenrechtsorganisation TARGET. Mein Motto: alles oder nichts. Ich wollte noch einmal aufs Ganze gehen. Dabei kommt mir natürlich mein Alter entgegen. Mit 70 kann man anderes und mehr riskieren als mit siebzehn.

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